Arian wäre ohne Kerem vermutlich nicht mehr hier.
Nicht im dramatischen Sinn.
Nicht so, dass man es von außen gesehen hätte.
Aber Kerem hat es einmal selbst gesagt: dass er ihn davor bewahrt hat, zu ertrinken. Und Arian wusste genau, was damit gemeint war.
Sie kannten sich lange.
Nicht von Anfang an eng, nicht ohne Reibung, aber irgendwann so, dass es selbstverständlich wurde, dass der andere da war.
Es waren keine großen Momente, die das ausgemacht haben.
Eher Dinge wie eine Einladung auf ein Eis, die man einfach annimmt. Ein Nachmittag, der länger wird als geplant. Gespräche, die bleiben.
Und dann war da dieses Café.
Das Café der verbotenen Wünsche.
Für Arian wurde es ein Zufluchtsort in einer Zeit, in der es kaum noch Orte gab, an denen er einfach nur Mensch sein durfte. Und Kerem war derjenige, der ihm diesen Ort geöffnet hat.
Eine Zeit lang waren sie mehr als Freunde.
Nicht immer gleichzeitig. Nicht immer gleich ehrlich.
Aber genug, um Spuren zu hinterlassen, die sich nicht mehr ausradieren lassen.
Kerem war immer derjenige, der weitermachte.
Machen musste.
Der meistens eine zweite Agenda hatte, und manchmal sogar eine dritte.
Den man schickte, wenn alle anderen versagt hatten, der aber nie wusste, ob er eigentlich das bewahren wollte, was er ausgezogen war zu retten.
Liebe hatte in Kerems Welt immer Bedingungen. Etwas, das man sich verdienen musste und dessen Gegenwert sich ständig änderte.
Dass Kerems Geschichte zu Ende erzählt werden musste, war irgendwann klar.
Trotzdem war BLUTLESE nie wirklich als Spin-off geplant. Aber manche Figuren beginnen irgendwann, sich aus den Seiten herauszuschieben. Sie bleiben. Sie stellen Fragen. Sie tragen Dinge mit sich herum, die erzählt werden wollen.
Und an Kerems Seite konnte nur einer stehen: Samuel Quirin.
Jemand, der stark genug war, Kerems Last ein wenig mitzutragen. Ruhig genug, seinen Sturm zu dämpfen. Und stabil genug, in dieser Urgewalt nicht selbst ins Wanken zu geraten.
Samuel war in WASSERSTOFF nie der Lauteste gewesen.
Nicht derjenige, der Chaos verursachte oder Räume an sich riss. Samuel stellte Fragen – die unbequemen, die konkreten. Er wollte wissen, wie genau denn der große Plan jetzt wirklich funktionieren sollte, wer dabei verloren gehen würde und was am Ende überhaupt noch übrig blieb.
Er war immer da.
Er trug, organisierte, fing auf und hielt zusammen, auch dann noch, als seine eigenen Fundamente längst zu bröckeln begonnen hatten.
Samuel ist Tat.
Körperliche und mentale Stärke.
Ein Mensch mit einem moralischen Kompass, der ihm oft engere Grenzen setzt als allen anderen um ihn herum.
Und vielleicht unterschätzt niemand seine emotionale Intelligenz so sehr wie er selbst.
Gerade deshalb war es für mich spannend, ihn einmal aus der Nähe zu betrachten. Nicht als den Verlässlichen im Hintergrund, sondern als jemanden, der plötzlich selbst ins Wanken gerät.


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